Fotos archivieren: Backupstrategien eines Fotografen - 2011-09-04 17:09:50

Fotos archivieren: Backupstrategien eines Fotografen

Vielfach habe ich mir Gedanken gemacht über das sichere Speichern meiner Fotos. Datensicherungen im Internet bringen zahlreiche Vorteile, tragen aber auch ernsthafte Risiken. Meine Überlegungen hierzu und welche Lösungen ich für mich gefunden habe:

Das Grundproblem großer Datenmengen

Ein Fotograf drückt über die Jahre zehntausende bis millionen Male auf den Auslöser seiner Kamera. Das dabei entstehende Datenvolumen ist immens: werden die Bilder im RAW-Format gespeichert, so sind diese schon bei 10MP (Megapixel) durchschnittlich 10MB (Megabyte) groß. Bei Canon werden diese Daten sogar bereits (verlustfrei) komprimiert. Der tatsächliche Speicherbedarf kann also durchaus nach oben abweichen. Dies bedeutet bei einem Fotoshooting à 300 Aufnahmen ein Datenvolumen von 300 x 10MB = 3GB (Gigabyte)! Wohin mit einer solchen Datenmenge?

Im RAW-Format nehme ich Fotos insbesondere aus folgenden Gründen auf: verlustfreies Speichern (und komprimieren) der Fotos (vgl. Kompressionsverfahren und -verluste von JPG & Co) und Speichern der Grundinformationen des Bildes / des „Originalbildes“ für künftige / nachträgliche Bearbeitungen oder gar gesonderte Wünsche der Kunden.

Aufnahmen bearbeite ich mit den mir heute zur Verfügung stehenden (technischen) Möglichkeiten und speichere die Ergebnisse getrennt von den Originalen ab. Wenig später, Hard- und Software haben sich geändert, stehen neue Techniken und Verfahren zur Verfügung, möglichst einfach das gewisse Etwas aus einem Bild herauszuholen. Habe ich die Bilder von damals nicht im RAW-/ Originalformat gespeichert, kann ich heute nur noch mit den damals bearbeiteten Ergebnissen weiter arbeiten und bestenfalls „korrigieren“. Dies schränkt unnütz ein und so musste ich mir Gedenken dazu machen, wie ich mit dem Datenvolumen der RAW-Dateien dauerhaft umgehe.

Cloud-Dienste als Allheilmittel? Nein!

Die digitale Archivierung spielt längst nicht mehr nur bei Fotografen eine wichtige Rolle. Auch Urlaubs- oder Familienfotos werden heute überwiegend digital gemacht und müssen irgendwo archiviert werden.

Cloud-Dienste vereinfachen unser Leben insbesondere in folgender Hinsicht: Daten können in digitaler Form über ein Zugangsmedium zum Internet, wie dem heimischen PC, in einen Online-Speicher hochgeladen werden und stehen dort dem Anwender von quasi jedem anderen PC mit Online-Zugang zur Verfügung. Darüber hinaus sind diese Dienste ein hilfreiches Backup-Medium zur Sicherung der Daten, bevor die lokale Festplatte einmal den Geist aufgibt.

Als Zugangssicherung dient hierbei meist (nur) ein Passwort, welches, vom Anwender vergeben, so sicher ist, wie es die Technik des Dienstes, sowie Einfallsreichtum und Erinnerungsvermögen des Anwenders zulassen. Zudem ist kein Medium vollumfänglich vor fremdem Zugriff geschützt (hierzu beispielhaft ein Verweis auf US-Behörden, die bei in den USA gehosteten Services ein Herausgaberecht an online gespeicherten Daten haben).

Doch nicht nur der Zugriff durch Dritte im weiteren Sinne ist bedenklich, sondern bereits der Cloud-Anbieter als unmittelbarer Dritter. Denn wer kann schon mit Sicherheit sagen, dass der Anbieter von Speicherlösungen im Internet nicht selbst mit den geladenen Daten (weiter-) arbeitet? Hier gibt es zudem Berührungspunkte im Urheber-, Persönlichkeits- und Datenschutzgesetz, sowie im Vertragsrecht mit einzelnen Kunden, mit denen die Nutzungsrechte gesondert geregelt wurden und die entstandenen Fotografien nicht ohne Weiteres an Dritte weiter gegeben werden dürfen.

Die gesunde Mischung der Medien macht’s

Das Speichern von Daten im Internet findet man in aktuellen Diskussionen und nach wie vor strittiger denn je. Ich persönlich nutze für eher unsensible Daten (keine Fotos) Dropbox: die Daten verpacke ich zuvor aber in einem 256bit AES verschlüsselten Container, bevor dieser in die Cloud geladen wird. Aufgrund der immensen Datenmengen der Fotografien eignet sich dieser Service verglichen mit „eher altmodischen“ Backupverfahren nicht: Festplatten im Terrabytebereich sind mit deutlich unter 100 Euro besser erschwinglich, wenn auch weniger komfortabel und ausfallsicher.

Jedes Fotoshooting landet bei mir derzeit auf einer separaten DVD, sowie auf einer externen Festplatte. So vermeide ich Datenverlust bei „Festplattencrash“. Diebstahl von gebrannten DVDs sehe ich persönlich weniger wahrscheinlich an als aktuelle Technik wie Laptop oder Festplatte(n). Die Sicherung der Daten vor elementaren Schäden wie Feuer steht bei mir jedoch noch aus.

Wie haltet ihr es mit der Datensicherung?

Fotos archivieren: Backupstrategien eines Fotografen
5 (100%) 1 Stimmen

7 Kommentare
  1. Sam
    Sam sagte:

    Hast Du mal geprüft, wie viele Deiner Sicherungs-DVDs noch 10% lesbar sind?

    Erfahrungsgemäß ist die „Halbwertszeit“ von gebrannten Medien eher gering…

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    • Daniel
      Daniel sagte:

      Die Haltbarkeit einer DVD wird ähnlich lang oder länger angegeben als die einer Festplatte. Tatsächlich hatte ich bisher keine Schwierigkeiten eine DVD nach langer Zeit zu lesen. Sofern diese „gut“ behandelt und gelagert wurde, sehe ich hier keine Schwierigkeiten. Ausnahmen bestätigen sicher auch hier die Regel.

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  2. Thomas
    Thomas sagte:

    Als „Grundsicherung“ nutze ich Apples Time Machine. Daneben sichere ich meine Bilder zusätzlich automatisch und regelmäßig auf ein NAS-System. An diesem wiederum hängt eine USB-Festplatte, auf die eine weitere Kopie der Bilder geschrieben wird. Diese USB-Platte ist doppelt vorhanden und wird regelmäßig gewechselt. Das jeweils nicht benutzte Exemplar wird sicher verwahrt.

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    • Daniel
      Daniel sagte:

      Das Kopieren der Bilder läuft bei dir automatisiert. Wie handhabst du den Wechsel der USB-Platten? Was machst du, wenn 2 Platten voll sind? Läuft der NAS-Speicher irgendwann voll? Bin neugierig :)

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  3. Thomas
    Thomas sagte:

    Eins vorweg: Ich bin kein Berufsfotograf, daher fallen bei nicht gerade extreme Datenmengen an. Pro Jahr beträgt der Datenaufwuchs bei mir ca. 250 GB. Trotzdem möchte ich natürlich meine Daten gut gesichert wissen :-)
    Die USB-Platten werden vom NAS automatisch gesichert. Es entsteht jedesmal eine Vollsicherung. Ich bin noch nicht so weit, dass eine Vollsicherung nicht auf eine externe USB-Platte passt. Sollte das einmal der Fall sein, werde ich die Backup-Sätze vermutlich in Blöcke teilen, die jeweils mehrere Jahre umfassen.
    Wenn das NAS voll ist, erweitere ich es einfach. Ich nutze ein Synology NAS, das kann ich mit einer externen Einheit (DX510) problemlos erweitern.

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    • Thorsten
      Thorsten sagte:

      Ich empfehle meinen Kunden immer eine gesunde Mischung, wie es im Artikel schon gut beschrieben wurde. Ich denke vorallem bei Berufsfotografen ist eine „online“ Sicherung ungünstig (Datenmenge). Sinnvoll aus meiner Sicht ist die aktuellen Daten lokal vorzuhalten. Die weiteren die später vielleicht irgendwann einmal benötigt werden in einer Art „online safe“ zu speichern. Wer in den Genuß kommt, zwei getrennte Standorte zu haben (Studio und Wohnung beispielsweise), könnte die Daten per VPN/Netzwerk dort in einem NAS ablegen -> automatische Sicherung. Die weiteren per Dropbox, AmazoCloud, etc… sichern. Sobald diese „online“ sind kann die automatische Sicherung diese lokal verwerfen. Somit läuft das NAS auch nicht voll. Wenn die Datenmengen richtig berechnet werden, benötigt man hier auch keine Erweiterung.

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  4. Philippe
    Philippe sagte:

    Alle gezeigten Lösungen haben ihre Nachteile. Leider gilt es auch hier, Vor- und Nachteile gegen die Kosten überzustellen.
    Ein Problem von Sicherungskopien ist der räumliche Abstand. Was nützt mir eine DVD/NAS/zweite Festplatte, wenn die Bude ausgeräumt wird/abfackelt? Daher: Möglichst weit weg! So gesehen, ist die Cloud gut geeignet.
    Ein anderes Problem ist den dauerhafte Lesbarkeit des Medium. Sam hat es schon angedeutet. Was nützt mir eine nette DVD von vor zehn Jahren, wenn sie nicht mehr lesbar ist? Auch hier ein Plus an die Cloud.
    Die Cloud hat aber auch ihre mächtigen Nachteile: Wie sieht es mit den Rechten aus? Was macht der Cloud-Anbieter mit meinen Daten? Gibt es ihn noch in zehn Jahren? Einige GB Daten hochzuschieben sind auch heutzutage ein Geduldsspiel.
    Man sieht: die perfekte Lösung gibt es so einfach nicht. So spontan fällt mir nur ein, selber einen entsprechenden Server betreiben, was dann aber kompliziert ist und Geld kostet. Für Profis eine ideale Lösung, für Amateure (wie mich) zu teuer und umständlich.

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