Wissenswertes über diese Kirche

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte München ein rasantes Bevölkerungswachstum. Die Stadt breitete sich insbesondere in den Westen und Osten aus. Allein im Westend wurden 1874 einhundert neue Wohnhäuser gebaut. Zur Stadtpfarrei St. Bonifaz, welche einen Teil des Westends abdeckte, war bereits 20 Jahre nach ihrer Erbauung, im Jahre 1870, für 30.000 Stadtbewohner zuständig. Daher wurde wurde zwei Jahre darauf die Erbauung einer weiteren Kirche beschlossen, welches „einfach, aber schmuck“ sein sollte.

1878 wurde der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt, welches St. Benedikt „getauft“ und 1881 eingeweiht wurde. Doch das Bevölkerungswachstum hörte nicht auf und so kam es, dass bereits 1891 über 24.000 Bürger im Westend lebten. Der Kirchenbauverein St. Rupertus wurde 1895 gegründet, mit dem Ziel der „Errichtung einer neuen römisch-katholischen Pfarrkirche, Pfarrpfründen- und Pfarrkirchenstifung im 20. Stadtbezirk“ namens Westend. Im Jahre 1900, als selbiges bereits 29.000 Katholiken zählte, war bereits eine Summe von 50.000 Goldmark gesammelt worden, zu welchen sich 350.000 Goldmark auf Kreditbasis gesellten. Dieses Geld sollte zum Bau einer weiteren Kirche genutzt werden.

Der Bauplatz der neuen Kirche wurde dem Kirchenbauverein vom Magistrat der Residenzstadt München kostenlos überlassen. Der zweite Entwurf des Architekten Professor Gabriel von Seidl, welcher später umgesetzt wurde, sah eine Form des Vierpasses vor: ein riesiger, quadratischer Zentralraum (30×30 Meter), welcher von halbrunden Konchen umgeben war. Dadurch erreichte der Bau eine Breite und länge von 50 Metern, mit einer Gesamtinnenfläche von 1.700 Quadratmetern und Innenhöhe von 21,5 Metern. Der Dachstuhl sollte eisern sein und eine Gewölbeform haben. In der Mitte dessen befindet sich ein Dachreiter mit Kegeldach, welcher die Gesamthöhe der Kirche auf 46 Meter anhebte. Der romanisch-byzantinische Stil sah einen Haupteingang unter einer Vorhalle vor, zwei Glockentürme in den nördlichen Ecken des Vierpasses inkl. Seiteneingängen, sowie einem Treppenturm in der südöstlichen und einem Sakristeianbau in der südwestlichen Ecke. Erster Spatenstich und Grundsteinlegung erfolgten 1901, letzteres durch Erzbischof Franz Joseph von Stein.

Nur zwei Jahre später, 1903, war der Bau des Gotteshauses vollendet und wurde am 23. Oktober 1903 von Abt Benedikt Zenetti OSB aus St. Bonifaz zum provisorischen Gebraucht gesegnet. Im selben Jahr konnten, dank großzügiger, weiterer Spenden, sechs Glocken beschafft werden. Am 08. Dezember 1903 erfolgte die Weihe dieser Glocken. Drei Jahre später wurde die Filialkirchengemeinde St. Rupert zur Stadtpfarrei erhoben. Ein weiteres Jahr später wurde eine Orgel von Hoforgelbaumeister Franz Borgias Maerz aufgestellt, welche zuvor von 1887 bis 1905 im Königlichen Odeon stand. St. Rupert, oder auch Rupertuskirche, wurde am 13. September 1908 feierlich von Erzbischof Franz Joseph von Stein geweiht. Zugegen waren unter anderem Mitglieder des königlichen Hofes und des apostolischen Nuntius, Kardinal Frühwirt.

Die ersten Beichtstühle wurden erst 1917 aufgestellt – bis dahin mussten Gläubige auf St. Benedikt ausweichen. Neben dem Marienaltar wurde 1929 eine Betonkanzel errichtet. Wenige Jahre zuvor wurden der Herz-Jesu-Altar von Benno und Hans Miller neu gestaltet und der Kriegergedächtnisaltar errichtet. 1933 wurde der vierte und letzte Altar, der Josefsaltar errichtet. Die anderen beiden Altäre sind der Hochaltar, an dessen Kosten sich auch der königliche Hof beteiligte, sowie der Marienaltar. 1933 wurde auch die Orgel aufwändig renoviert und erweitert. Ab 1935 begannen erste, große Innenrenovierungen, durch welche Ruß und die dunklen Ornamente entfernt wurden, um ein hellere Tönung anzubringen, welche „die Frohbotschaft verkündet“.

Im Zweiten Weltkrieg wurden fünf der sechs Glocken abgenommen und eingeschmolzen. Die verbleibende Glocke war die Benediktusglocke. Durch Luftangriffe wurde die Kirche glücklicherweise nicht direkt getroffen, doch sie wurde durch die Druckwellen erheblich beschädigt. Dem tatkräftigen Einsatz vieler Gemeindemitglieder wurden die Schäden immer zügig, wenn auch notdürftig behoben. 1947, also nach dem Krieg, wurde das Turmkreuz ersetzt und zu Pfingsten geweiht. Die notdurftigen Instandhaltungen während des Krieges mussten ab 1952 stetig ausgebessert und renoviert werden: 1952 waren dies die Wände und Deckengewölbe, 1957 die Beleuchtung (wobei hier auch eine Kniebankheizung installiert wurde), 1951 und 1960 wurden vier weitere, neue Glocken ergänzt. 1963-67 mussten das Kirchendach und das Mauerwerk komplett saniert werden. Bei der hierbei durchgeführten Neugestaltung des Innenraumes wurden bis auf den Kriegergedächtnisaltar alle weiteren Altäre entfernt. Nur der Altartisch des Josefsaltars und die Figur der Muttergottes des Marienaltars blieben erhalten. Es kamen weiterhin 11 Fenster zu den bestehenden 8 hinzu, welche von Georg Schönberger bunt verziert wurden. U.a. wurde die Altarapsis erweitert, ein Marmortisch als Volksaltar, sowie eine Priesterbank errichtet und die Kanzel durch ein Ambo aus veronesischem Marmor ersetzt.

Nur knapp einer Brandkatastrophe entging die Kirche 1972 am Stephanitag. Unbekannte hatten einen Beichtstuhl angezündet, doch der Brand konnte schnell gelöscht werden. Die Muttergottesfigur erhielt 1978 wieder einen farbigen Anstrich, nachdem sie bei vorheriger Renovierung grau gestrichen wurde. Zudem erhielt sie einen bunten Wandteppich im Hintergrund, jeweils ebenso von Georg Schönberger. 1995/96 wurden die Kreuzwegstationen und 1997 die Orgel restauriert. Eine weitere Maerz-Orgel konnte 1999 günstig erworben werden und dient in der linken Seitenkonche als Chororgel. Seitdem besitzt St. Rupert als einzige Kirche in München zwei bespielbare romantische Maerz-Orgeln. Die Figur des Heiligen Rupert kam 2006 nach über 40 Jahren zurück in die Kirche und wurde komplett saniert. In den nächsten Jahren soll der Kirchenraum erneut saniert, um der heutigen Zeit und dem kunsthistorischen Auftrag gerecht zu werden.

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